Hungarophobie – oder die Verteufelung Ungarns-ein Kurzrückblick zum Jahresanfang 2014

Als deutscher Publizist beobachte ich natürlich die deutschen Befindlichkeiten, doch aufgrund meiner Herkunft schaue ich schon auch mal gerne nach Ungarn – zumal sich bisweilen die deutschen Verhältnisse mit den ungarischen kreuzen. Im April sind wieder Parlamentswahlen in Ungarn. Nachdem die Auseinandersetzungen der Brüsseler Euro-Bürokraten mit der ungarischen Regierung Orbán im letzten Jahr etwas abgeebbt sind, teils weil sich die Anschuldigungen als haltlos herausgestellt, teils weil die ungarische Regierung in Teilen nachgegeben und beanstandete Punkte ihrer Arbeit korrigiert hat, ist auch die negative Berichterstattung über Ungarn in den deutschen Leitmedien etwas weniger vehement geworden, ja, sie ist bisweilen sogar eingeschlafen. Nicht bloß die ungarische Regierung, sondern Ungarn war ja schon zu einem Symbol des Bösen geworden.

Als Zusammenfassung der Kritik an Orbáns Politik der letzten vier Jahre kann das im Unrast Verlag Münster letztes Jahr erschienene Buch von Andreas Koob, Holger Marcks und Magdalena Marsovszky namens „Mit Pfeil, Kreuz und Krone: Nationalismus und autoritäre Krisenbewältigung in Ungarn“ bezeichnet werden. Auf 208 Seiten wird dort beschrieben, wie Orbán zwar kein Faschist sei, aber die „Option“ für die Entstehung eines Faschismus in Ungarn geschaffen habe. Drunter machen es die Autoren nicht, und man tut ihnen sicher kein Unrecht, wenn man ihre politische Ausrichtung grob als „links“ verortet (siehe dazu auch die Webseite des Verlags, dessen Leitung sich als “Kollektiv” versteht und “Antifa-Kalender” sowie Bücher zur “Feministischen Wissenschaft” ediert).

Die Kritikpunkte von der angeblichen billigenden Inkaufnahme von Antiziganismus und Antisemitismus bis zur angeblichen Unterhöhlung des demokratischen Rechtsstaates sind alle aufgeführt und ausführlich analysiert. Aber die recherchierten Beispiele, welche die Kritik untermauern sollen, sind tendenziös ausgewählt und die Analyse der Entwicklung ist einseitig. Zwei Beispiele mögen das zeigen.

Wie alle Linken stört die Autoren besonders das Motto, das der Präambel des Ungarischen Grundgesetzes vorangestellt ist und dem „Himnusz“ getitelten Gedicht von Ferenc Kölcsey (1790-1838), dessen erste Zeile es ist, entstammt: „Gott, segne den Ungarn!“ In diesem Motto sehen die Autoren beispielhaft eine reaktionäre und nationalistische Ideologie wiederauferstanden, die sich dann in der Präambel Bahn breche. Die ganze erste Strophe, die nebenbei erwähnt nichts weniger als den Text der Nationalhymne bildet, lautet in wörtlicher Übersetzung übrigens so: „Gott, segne den Ungar mit frohem Mut und Überfluss. Strecke deinen schützenden Arm zu ihm hin, wenn er mit dem Feinde kämpft! Ihm, den seit langem das Unglück zerreißt, bringe fröhliche Jahre! Dies Volk hat schon für Vergangenheit und Zukunft genug gebüßt.“ Das ist natürlich ein Text, der vor chauvinistischer Aggressivität und Arroganz nur so strotzt. Man mag es für überflüssig halten, einen Gottesbezug in eine Verfassung aufzunehmen, doch ist es in Wahrheit genau diese Erwähnung Gottes, die den Autoren unerträglich ist – sie war es auch schon den ungarischen Kommunisten nicht nur in den stalinistischen Nachkriegsjahren.

Ein anderer Vorwurf an die Adresse Orbáns ist der Revisionismus, also angebliche „großungarische Ansprüche“ gegenüber der Slowakei, Rumänien und Serbien. Große Teile dieser Staaten gehörten vor 1920 zum Königreich Ungarn. Mit dem Friedensvertrag von Trianon wurden den genannten Staaten, deren Einwohner eigentlich genauso wie die Ungarn als Untertanen der Habsburger Doppelmonarchie zu den Verlierern des Ersten Weltkriegs gehörten, Gebiete nach dem Grundsatz zugeteilt: Wo z. B. nur ein einziger Slowake lebt, das ist Slowakei. Für die Ungarn galt das umgekehrt nicht. Daraus folgerte zwangsläufig, dass heute etwa ein Drittel der Ungarn grenznah, aber ausserhalb der Landesgrenzen im Ausland lebt. Die Behandlung der ungarischen Minderheiten in den genannten Staaten konnte und kann teilweise heute noch als Unterdrückung, zumindest Benachteiligung bezeichnet werden. Orbán hat sich deshalb ausdrücklich auch für die Auslandungarn verantwortlich bezeichnet, um deren Situation im Rahmen der EU zu bessern. Von irgendwelchen Gebietsansprüchen, wie sie beispielsweise noch bis zu den Ostverträgen, ja bis zur Wiedervereinigung die Vertriebenenverbände in Deutschland indirekt formulierten, keine Spur. Es geht um Fragen einer Autonomie, wie sie z. B. in Südtirol verwirklicht ist, ohne dass die Südtiroler illoyale Italiener wären. Für die Autoren des o. g. Buches gründen die Bemühungen Orbáns jedoch auf einem primitiven völkischen Weltbild, dem die Südtiroler entsprechend auch verfallen sein müssten. In diesem Kontext ist es interessant, dass nicht nur der französische Philosoph Alain Finkielkraut fordert, die europäischen Probleme weniger auf der bürokratischen EU-, sondern wieder mehr auf nationaler Ebene zu lösen.

Es könnten noch weit mehr Beispiele gebracht werden, wie Sachverhalte bewußt verzerrt und verdreht, zumindest einseitig beleuchtet dargestellt werden. Der anti-ungarische Furor schießt in vieler Hinsicht über eine sachliche Kritik hinaus: Ungarn ist tatsächlich zu einem Symbol des Bösen geworden. (Wem das übertrieben erscheint, lese bitte “Schöne Grüße aus dem Orbán-Land: Die rechte Revolution in Ungarn” von Adrowitzer / Gelegs oder “Wo Europa endet: Ungarn, Brüssel und das Schicksal der liberalen Demokratie” von J.-W. Müller.) Da nun die Vorwürfe an die Regierung Orbán (und, wie der Untertitel zeigt, an Ungarn) in dem besagten Buch übersichtlich gebündelt, aber immer noch so hysterisch sind wie in den ersten Jahren nach der in freier Wahl erzielten Zweidrittelmehrheit des Fidesz, empfiehlt sich für diese Art der Negativpresse der Begriff „Hungarophobie“. Die sich selbst als fortschrittlich verstehende Linke (und in ihrem Gefolge die von ihr geprägten Leitmedien) stigmatisieren Andersdenkende ja gerne mit pathologisierenden Beiworten. Es ist vielleicht nicht besonders nett, das zu übernehmen. Aber es gibt dafür eine Rechtfertigung, nämlich wenn das Beiwort stimmt. Die Linke muss es ertragen, wenn man eine so offen zur Schau getragene Abneigung als das bezeichnet, was sie ist.

 

Der 1magyarember

Quelle:Freie Welt.net-
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Über 1magyarember fekete hunmagyar(Árpád, István)

Hazádnak rendületlenûl Légy híve, oh magyar; Bölcsõd az s majdan sírod is, mely ápol s eltakar.Ich bin magyarisch-germanischer Hunne, Geboren in Ungarn,einen Teil der Kindheit dort verbracht, ich kam in der Zeit des Kommunismus nach Deutschland,auch aus politischen Gründen,da ich deutsche ebenso wie ungarische Wurzeln habe(die Großeltern waren deutsche(Thüringen) Sieldler in Ungarn, da lag es am nächsten nach Deutschland(die 2. Heimat) zu kommen ,als von den Kommies verfolgte deutschstämmige wurden wir zu politischen Flüchtlingen da mein Opa Soldat im 2.WK gegen die jüdischen Bolshevisten war. Ich bin begeisterter Karpfenangler und mein Beruf ist Fahrradmechaniker, ich bin politisch interessiert und lasse mich nicht gerne von Leuten wie George Soros(aka Swarc György)und seinen Schergen verarschen.Ich habe eine,nein sogar 2 nationale Identitäten:Die ungarische sowie die deutsche.Da können die die Antifa Chaoten so oft,Fuck your national Identity grölen,wie sie wollen.Damit erreichen sie bei mir höchstens das Gegenteil.
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