Die Vernichtung der 2. ungarischen Armee am Donbogen oder Ungarns Stalingrad

Die Schlacht in und um Stalingrad endete nicht nur für die Deutschen in einem Desaster. Sie war gleichzeitig eine Katastrophe für die mit Deutschland verbündeten Armeen, die in großer Zahl an der Sommer-Offensive 1942 teilgenommen hatten oder hatten teilnehmen müssen. Die Niederlage der deutschen 6. Armee an der Wolga überdeckte die militärische und menschliche Tragödie dieser „fremden Armeen unter deutschem Oberkommando“: Mehr als eine dreiviertel Million (!) Soldaten ereilte in den Wintermonaten 1942/43 das gleiche Los wie seinerzeit die Koalitionstruppen unter Napoleon Bonaparte, die im November/Dezember 1812 auf dem Rückweg von Moskau aufgerieben und vernichtet worden waren.

Das faschistische Italien Benito Mussolinis beteiligte sich 1942 am Feldzug mit einer Armee zu zehn Divisionen; Marschall Ion Antonescu schickte zwei rumänische Armeen ins Feld; der ungarische Reichsverweser Miklós von Horthy als Oberster Kriegsherr der Königlichen Honvéd-Armee entsandte eine Feldarmee. Die beiden rumänischen Armeen gingen im November und Dezember 1942 zwischen Don und Wolga unter. Ihre Reste sammelte Antonescu im Januar 1943 zusammen. Der größte Teil der italienischen 8. Armee wurde zwischen dem 16. und 20. Dezember 1942 am mittleren Don von der Roten Armee vernichtet. Zu Beginn des Jahres 1943 verblieb nur noch die ungarische Armee am Don unversehrt. Zwischen Woronesch und Pawlowsk (heute: Togliatti), auf einer Frontbreite von etwa 210 Kilometern, stand sie bereits auf verlorenem Posten, denn die Rote Armee, die von Adolf Hitler schon mehrmals als „tot“ bezeichnet worden war, bereitete eine neue Offensive gegen die Honvéd-Armee vor, um damit der gesamten deutschen Heeresgruppe B den Todesstoß zu geben.

Wie kamen 180 000 ungarische Soldaten dazu, sich 2000 Kilometer von den Karpaten entfernt für deutsche Belange zu schlagen? Ihr Schicksal wurde in der deutschen Nachkriegsliteratur stiefmütterlich behandelt und in Ungarn selber aus politischen Gründen nach 1945 verschwiegen. Erst seit kurzem darf man dort über die Aufstellung, Entsendung und den Niedergang dieser „vergessenen Armee“ forschen und schreiben.

Deutschland hatte zunächst 23 Honvéd-Divisionen angefordert: zwei Drittel der mobilisierbaren Wehrmacht Ungarns. Nach langem Feilschen – Generaloberst Szombathelyi, Chef des Stabes der Honvéd-Armee, sprach von „Kuhhandel“ – einigte man sich auf die Entsendung von zehn Frontdivisionen und fünf Besatzungsdivisionen. Den Ausschlag, den deutschen Forderungen doch noch nachzugeben, gab die „Siebenbürgen-Frage“. Dieser Landesteil, etwa 100 000 Quadratkilometer, gehörte bis 1918 zum Ungarischen Königreich.Rumänien erhielt es von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges als „Belohnung“, weil es 1916 auf seiten der Alliierten in den Krieg gegen die Mittelmächte eingetreten war.

Faschistische Diktatoren unter sich: Benito Mussolini und Adolf Hitler 1940

Im August 1940 hatten Hitler und Mussolini in Wien einen Schiedsspruch gefällt. Danach wurde Siebenbürgen geteilt: Der Nordteil kam zu Ungarn, der Süden verblieb bei Rumänien. Keine Partei war mit dieser Lösung zufrieden. Die Regierungen sowohl in Budapest als auch in Bukarest versuchten, während der Rußlandfeldzüge Hitlers Gunst zu gewinnen, um nach dem Krieg in Siebenbürgen neue Besitzverhältnisse zu schaffen. Sie konnten deshalb Hitlers militärische Forderungen nicht ablehnen und versuchten lediglich, die Zahl der Truppen möglichst niedrig zu halten.

Zwischen dem Großdeutschen Reich und dem Ungarischen Königreich bestand kein Bündnis: Sie waren lediglich „Waffengefährten“ und Kriegspartner. Die Regierung in Budapest nahm einfach zur Kenntnis, daß eine Feldarmee mit der Bezeichnung „2“ an die Ostfront geschickt und dort unter ungarischem Armeekommando geschlossen der deutschen Heeresgruppe Süd (später B) unterstellt wurde. Politisch begründete man diesen Schritt mit der Notwendigkeit, gegen den [jüdischen] Bolschewismus zu kämpfen.

Die ungarische 2. Armee, zu deren Oberbefehlshaber der 59jährige Generaloberst Gusztáv Jány ernannt wurde, bestand schließlich aus 180 000 Mann und gliederte sich in neun „leichte“ Infanteriedivisionen und eine Panzerdivision mit zumeist veralteten Panzern. Ihre drei Armeekorps wurden aus verschiedenen Wehrkreisen Ungarns zusammengestellt, um die Lasten des Krieges möglichst gleichmäßig auf das ganze Land zu verteilen. Dies betraf auch die verschiedenen Nationalitäten in Ungarn: Das Königreich mit seinen beinahe 14,5 Millionen Einwohnern hatte 1942 in seinen Grenzen eine große Anzahl Serben, Slowaken und Rumänen. Unter den nach Rußland geschickten 180 000 Honvéds waren etwa 15 000 „Ungarn“ rumänischer Nationalität, was keineswegs den Wehrwillen der Honvéd-Armee in der Ferne förderte.

 Gusztáv Jány

 

Mitte Juli hatte die Honvéd-Armee den Don erreicht, wo sie nun entlang des Westufers Verteidigungsstellungen ausbaute, die ihr die nach Süden vorstoßenden Deutschen überlassen hatten. General Jány mußte jedoch feststellen, daß sich an geeigneten Flußbiegungen sowjetische Truppen festgesetzt und dort Brückenköpfe, zwischen dreißig und hundert Quadratkilometern groß, gebildet hatten. Diese Brückenköpfe – bei Uryw und Schtschutschje – hatten schwerwiegende Folgen für die 2. Armee. Weder Ende Juli noch im August gelang es den Ungarn – auch nicht mit deutscher Unterstützung –, diese Widerstandsnester zu beseitigen. Nur die eigenen Verluste wuchsen! So hatten zum Beispiel im September 1942 beim dritten Angriff auf Uryw die deutsch-ungarischen Truppen bei einem geringen Gebietsgewinn 1454 Tote und über 6375 Verwundete zu beklagen! Vom Herbst bis Anfang Januar herrschte Ruhe an der Armeefront.

Die Stille war mehr als trügerisch. Mangels Kräften war die ausgedehnte Frontlinie nicht ausreichend gesichert. Obwohl eine ungarische „leichte“ Division lediglich über zwei Infanterieregimenter verfügte, mußte eine Division für einen 21 Kilometer langen Frontabschnitt die Verantwortung übernehmen. Reserven konnte man nicht aufstellen, und fast alle schweren Infanteriewaffen mußten in der Hauptkampflinie eingesetzt werden. Die paar deutschen Divisionen, die man anfänglich als sogenannte Korsettstangen (ein Ausdruck Hitlers) zwischen die ungarischen Divisionen eingeschoben hatte, wurden seit Ende November nacheinander abgezogen, da sie nach den russischen Durchbrüchen bei Stalingrad dringend woanders benötigt wurden.

An Waffen, insbesondere an Panzerabwehrgeschützen (Pak), fehlte es ebenfalls, und die Munitionslage war auch nicht gerade rosig. Sorge bereitete dem Oberkommando der 2. Armee auch die Ernährung der Truppe. Was sollten die Ungarn mit deutscher Marmelade anfangen, wenn sie an Speck gewöhnt waren? Generalmajor Hermann von Witzleben, seit dem 30. September 1942 als „Deutscher General beim ungarischen Armeeoberkommando 2“, schrieb später: „Es wurde uns unzweideutig zum Ausdruck gebracht, daß der ungarische Soldat bei einem derart miserablen Brot, das die deutschen ortsfesten Feldbäckereien lieferten, und bei einer derart fettlosen Ernährung auch im Hinblick auf den bevorstehenden Winter nicht das leisten werde, was man etwa von ihm erwarte.“

Die Beziehungen zwischen den ungarischen Stäben und dem deutschen Verbindungsstab waren infolgedessen im Herbst 1942 ziemlich gespannt. Die Honvéd-Stabsoffiziere betrachteten ihre deutschen Kameraden als „Aufpasser“ und bezeichneten sie – freilich hinter deren Rücken – als „Politruks“. Im Dezember, als wiederum eine deutsche Division abgezogen wurde, erklärte Generaloberst Jány vor General von Witzleben, er sei nicht gewillt, sich diese Behandlung weiter gefallen zu lassen. Er wisse nun, wie es um seine Armee stehe: Sie sei bereits rettungslos „verkauft“; er überlege ernstlich, ob er als verantwortungsvoller Soldat nicht seine Divisionen von der Front abziehen und in Richtung Heimat abmarschieren lassen solle.

General Erwin von Witzleben

 

Nur mit Mühe und mit neuen Versprechungen gelang es Witzleben, Jány zu besänftigen. Freilich, die versprochene Waffenhilfe (250 Paks und 180 Geschütze vom Kaliber 8,8) traf nie ein. Beim Oberkommando der Heeresgruppe B machte man sich auch nichts vor: Die ungarische Armee sei im Grunde genommen ein unzuverlässiger Bundesgenosse, meinte General von Sodenstern, da sie materiell eine ernstliche Auseinandersetzung mit der Roten Armee kaum bestehen könne, zumal der Don im Winter für die Rote Armee kein Hindernis mehr war.

Alles, was Generaloberst Jány bis Neujahr zu erreichen vermochte, war die Aufstellung einer deutschen Eingreifreserve für den Ernstfall. Das sogenannte Panzerkorps Cramer z.b.V. umfaßte nicht ganz zwei deutsche Infanteriedivisionen, eine Panzergruppe, eine Sturmgeschützabteilung und die ungarische 1. Panzerdivision. Jány gab seine Panzerdivision, die einzige Reserve seiner Armee, in der Annahme ab, er werde jetzt statt einer Division ein ganzes Korps als Reserve erhalten.

Als jedoch am 12. Januar 1943 die sowjetische Großoffensive gegen die Ungarn begann und er das Panzerkorps brauchte, wurde es ihm verweigert. General von Sodenstern gab ihm zu verstehen, über den Einsatz dieser Reserve bestimme einzig und allein Hitler, der von Ostpreußen aus die Lage beobachte. Was damals nicht bekannt war: Das Panzerkorps Cramer z.b.V. hinter dem ungarischen Frontabschnitt war auf der Riesenfront von Woronesch bis zum Kaukasus die einzige Reserve des deutschen Generalstabs – so schlecht stand es um den Südabschnitt der deutschen Ostfront im Januar 1943.

In Kälte und Schnee erwarteten viele Honvéds am Don sehnsüchtig die Ablösung, die zum Teil bereits unterwegs zur Hauptkampflinie war – jedoch ohne Waffen. Diese sollten sie von den abzulösenden Truppen übernehmen. Das Oberkommando der ungarischen Armee tröstete sich mit dem Gedanken, wegen der Kämpfe bei Stalingrad werde die Rote Armee kaum eine neue Offensive beginnen. Am 4. Januar jedoch brachte die Fliegeraufklärung eine alarmierende Nachricht: Im Brückenkopf Uryw versammelten sich mehrere sowjetische Divisionen. Am nächsten Tag wurde ein merkwürdiger sowjetischer Funkspruch aufgefangen: „Das Konzert wird bald beginnen.“

 

 

Quelle: Zeit

 

Hier habe ich noch Material, welches tiefer ins Detail geht. Das vernichtende Urteil über den Umgang der deutschen OKW mit den verbündeten ungarischen Truppen im Feindesland und die unsinnigen Führerbefehle aus großer Entfernung und taktischen Fehleinschätzungen, welche den möglichen Sieg über Stalin und seine Rote Armee leider absolut unmöglich machte.Der Führer hatte viele Talente,die Führerbefehle entgegen den Überzeugungen der Generäle vor Ort,gehörte nicht zu seinen Talenten,die Blitzkrieg Strategie ging hier eben nicht auf.Die erneute offenbare Schlüsselposition Russlands im 2.WK war dem Führer offensichtlich klar geworden und seine Vernichtung war unumlässlich um den ganzen Krieg zu gewinnen,und um dieses Ziel zu erreichen,  hätte es weiterer Vorbereitungen bedurft.Stichwort Land &Lease Act,die Macht-Bestrebungen der USA und Grosbrittaniens hätten somit in Russland zunichte gemacht werden können.

 

 

Der Untergang der 2. ungarischen Armee am Don 1943

 

 

Unter diesem Titel hat das ungarische Kriegsgeschichtliche Institut eine

Sammlung von Kriegsakten über diese Kämpfe veröffentlicht.2 Auch wenn

man ideologisch anders eingestellt ist, mancher Folgerung nicht beipflichten

kann und das Bedürfnis nach Ergänzungen hat, so ist diese Arbeit doch bemerkenswert.

Die ungarische Nation hatte 1941 den Krieg nicht gewollt, schon deshalb

nicht, weil er gegen Polen begonnen hatte, mit welchem Ungarn durch eine

traditionelle Freundschaft verbunden war. Man wusste auch rechtzeitig, dass

dieser Krieg nicht zu gewinnen war. Bestärkt wurde man darin durch die

Mitteilungen des am 20.1.1942 in Ungarn eingetroffenen Generalfeldmarschalls

Keitel, des Chefs des Oberkommandos der deutschen Wehrmacht

(OK.W), nach welchen mit dem Sturz des Bolschewismus nicht zu rechnen

und die Widerstandskraft der Roten Armee nicht gebrochen sei, wenn sie

auch zu größeren Unternehmungen nicht mehr fähig erscheine Deshalb

müsse die Vernichtung der russischen Streitkräfte und die Besetzung des

gesamten Gebietes der Sowjetunion angestrebt werden. Mit dieser Möglichkeit

rechne Deutschland als Erfolg der beabsichtigten Sommeroffensive.

Die hinter diesen Erklärungen stehende Wirklichkeit war jedoch, dass

das deutsche Heer nach großen Erfolgen auf fünf Kriegsschauplätzen so geschwächt war,

dass es der Roten Armee nur unzureichende Kräfte entgegen-

1 Vgl. die redaktionelle Vorbemerkung zu v. Lengyel: «Die ungarischen Truppen

im Russland-Feldzug 1941» in ASMZ Nr. 10. S. 866.

– In deutscher Übersetzung: «Die Vernichtung der 2. ungarischen Armee am Don.»

Zrinyi Verlag, Budapest. 2., erweiterte Auflage 1959, 382 Seiten. Die Seiten 52-346

enthalten auch Übersetzungen von deutsch verfassten Akten ins Ungarische, wickelte

sich doch der Verkehr zwischen den deutschen und ungarischen Kommandostellen in

deutscher Sprache abstellen konnte. Sein Gegner beherrschte die Luft, war seinen eigenen Panzer¬

verbänden vierfach überlegen und besaß im T 34 einen besseren Panzer. Die

deutsche Motorisierung reichte für die im endlosen Operationsraum des

Ostens notwendige Beweglichkeit nicht aus.

Die ungarische Armee war aus zahlreichen Gründen weder kriegsbereit

noch einem modernen Kampf gewachsen; jedenfalls konnte sie viel später

aufrüsten als das deutsche Heer. Das Land war erschöpft, arm, auf einen

Drittel seines Gebietes reduziert, hatte eine unentwickelte Industrie und

wenig Rohstoffe.

Das ungarische Volk hasste die Russen nicht, obwohl 1848/49 nicht vergessen war

und der Panslawismus, hinter welchem Russland stand, seit

einem Jahrhundert die Integrität Ungarns bedrohte. Andererseits hatte man

eine äußerst wertvolle Minderheit, über eine halbe Million Deutsch-ungarn,

die immer treu zu ihrer ungarischen Heimat standen, aber natürlich

am Schicksal ihrer Urheimat nicht uninteressiert waren.

Schließlich konnte man den harten Frieden von Trianon und Versaille nicht vergessen.

Es weckte romantische Hoffnungen, als man die Rückgabe einiger verlorener

Landesteile mit deutscher Hilfe erreichte, welcher gegenüber man zu

Dank verpflichtet war.

Die Macht der Verhältnisse, nicht – wie es gerne behauptet wird – die

«Berufsoffiziere», haben Ungarn gegen seine nüchterne, bessere Einsicht in

den Krieg hineingezogen.³

Im Mai 1942 hielt der Chef des ungarischen Generalstabes,

Generaloberst von Szombathelyi, in Budapest dem Drängen Generalfeldmarschall

Keitels entgegen, dass für seine Heimat die primäre Frage die Versorgung

der Armee mit den notwendigsten Kriegsmitteln sei, ohne welche sie nicht

kämpfen könne. Dass auch die russische Ausrüstung «schwach» sei, wie Keitel

bemerkte, war kein Trost und wurde übrigens durch die Wirklichkeit nicht

bestätigt. Laut Meldung des ungarischen militärtechnischen Komitees waren

die deutschen Lieferungen kompliziert, unzureichend und teuer.

Ein Missgriff und eine Verletzung der Souveränität waren es,

die Deutsch-Ungarn zu zwingen, in der SS zu dienen, wodurch der ungarischen Armee

 

³ Zu der von Lengyel (ASMZ Oktober i960, S. 869) aufgerufenen Frage der Verantwortung

für die Luftangriffe auf Kaschau und Munkacs berichtet neuerdings das

«New Hungarian Quarterly» vom 1.9.i960, dass der Kommandant des bombardierten

Flugplatzes Kassa (Kaschau) nach dem Kriegseintritt Ungarns dem damaligen Ministerpräsidenten,

Dr. Bárdossy, mitgeteilt hatte, dass er mit voller Gewissheit deutsche Hoheitsabzeichen

auf den angreifenden Flugzeugen gesehen hatte. Dr. Bárdossy hat diesem

Offizier die größte Verschwiegenheit auferlegt, doch musste dieser 1946 seine Aussage

vor dem Volksgericht, welches Dr. Bárdossy zum Tode verurteilte, unter Eid wiederholen.

 

wertvolle Elemente entzogen wurden; bis 20 Prozent des Sollbestandes

mussten durch Nationalitäten ersetzt werden, die versagten. Ein großer

militärischer Fehler war es dann, den ungarischen Verbänden einseitig

«Verbindungsstäbe» aufzuzwingen, deren überhebliches, eigenmächtiges,

sich Kontrollrechte anmaßendes Verhalten zur Anarchie in der Führung wurde;

der verantwortliche ,ungarische Armeekommandant war praktisch ausgeschaltet.

Die Kriegsakten sind voll mit Klagen über diese zerfahrenen Zustände. Die

deutsche Führung hätte sich erinnern sollen, dass sie sich im ersten Welt¬

krieg in der Nähe ungarischer Truppen sehr sicher gefühlt hatte.

Um seinen Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen, berief sich Generalfeldmarschall

Keitel auf die «Wiener Entscheidungen», die nicht deshalb

erfolgt seien, «damit Ungarn jetzt mit Bedingungen und Forderungen auf¬

trete». Trotz erschöpfender Orientierung forderte dann der Generalfeldmarschall

doch, dass durch Ungarn außer den 7 Besatzungsdivisionen noch

eine Operationsarmee von 9 Divisionen und 1 Panzerdivision, also insgesamt

17 Divisionen, beizustellen sei. Hinter der Bezeichnung «Besatzungsdivision»,

die auf einen friedlichen Etappendienst schließen lässt, verbirgt

sich der Einsatz in einem grausamen, rastlosen und aufreibenden Krieg ohne

Gnade gegen Partisanen, die völkerrechtswidrig geführt, mit modernsten

Mitteln versehen und unentwegt ausgebaut wurden durch die russische

Heeresleitung und unterstützt waren durch die Luftwaffe und Fallschirmjäger.

Einsatzgebiet waren die ausgedehnten und für diese Art der Kriegsführung besonders geeigneten

Pripjet-Sümpfe. Die Aktivität der Partisanen

umfasste Sprengung von Eisenbahnzügen, Minierung von Brücken und

Straßen, Vergiftung von Brunnen, Brandlegungen, Überfälle und Hinter¬

halte bei Tag und Nacht und Grausamkeiten gegen Hilflose, Terrorisierung

und Anstiftung ihrer eigenen Bevölkerung usw.

Die Maßlosigkeit der Forderung des Generalfeldmarschalls ist dadurch

erwiesen, dass das früher reiche, dreimal größere Großungarn nur 20 Divisionen

aufgestellt hatte. So musste es zu einer unsinnigen, aufgeblähten

Organisation kommen, bei weiterer Herabsetzung der Qualität.

Um die 2. Armee notdürftig mit allem zu versorgen, musste auf jene

Kriegsausrüstungs-Bestände gegriffen werden, welche für die nicht mobilisierte

  1. und 3. Armee bestimmt waren.

Eine sonderbare Bedingung war, dass Waffen nur in den Aufmarsch¬

raum geliefert wurden, wo von einer Ausbildung mit denselben beim über¬

hasteten Einsatz der Transporte keine Rede sein konnte. So traten Truppen

mit Waffen in den Kampf, mit deren Handhabung sie nicht vertraut waren.

Die ungarische 2. Armee, 208 000 Mann stark,

Kommandant Generaloberst von Jány, bestand aus 3 Korps zu 3 Divisionen,

entstanden durch Verdoppelung eines Friedensregimentes zu einer Brigade. 50 Prozent des Sollbestandes

waren Ersatzreservisten mit achtwöchiger Ausbildung; die Kompaniekommandanten

waren durchwegs mäßig ausgebildete, junge Reserveoffiziere.

Ähnlich war es bei den anderen Formationen, deren Waffen größtenteils veraltet waren.

Die Panzerabwehr war machtlos, Begleitartillerie gab es keine,

die technische Ausrüstung war unzureichend. Die Nachschub-

mittel waren den ungeheuren Anforderungen nicht gewachsen.

Der Aufmarsch dieser Armee stand räumlich und zeitlich mit der Lage

und den Ereignissen an der Front durchaus nicht im Einklang. Er zog sich

in drei Staffeln endlos von Mitte April bis Ende Juli 1942 hin. Von einem

einheitlichen Einsatz der versammelten Kräfte war keine Rede;

die eintreffenden Transporte wurden in Verbände der deutschen Armeegruppe Generaloberst

Baron Weichs tropfenweise, nach Gewaltmärschen bis zu 2000

Kilometer von den Ausladestationen entfernt, zersplittert, teils angriffsweise,

teils zur Ablösung verwendet. Der Transport war infolge von Flieger- und

Partisanenangriffen und den Verhältnissen in den Ausladeräumen (zunächst

Kursk) verlustreich und demoralisierend. Die bis Ende Juli am Don vereinigte

Armee hatte dort im August und September die erfolglosen Brückenkopfkämpfe

zu bestehen; die Russen behaupteten als Keim ihres späteren

Erfolges zwei Brückenköpfe auf dem Westufer des Don.

Alle diese Einsätze waren sehr verlustreich (auch bei den Deutschen) und erwiesen die

Unzulänglichkeit der ungarischen Armee und die Überlegenheit der Russen.

Am allerwenigsten waren die Ungarn aber einem Winterkrieg in den russischen

Steppen gewachsen, da sie gar keine Winterausrüstung hatten, und

– wie es sich zeigen sollte – der elende Nachschub ihnen kaum die kärglichste

Verpflegung zukommen lassen konnte. Die 2. ungarische Armee hatte keine

Kälteschutzmittel, keine Schlittenkufen, Kochkisten und Ski-Ausrüstung,

keine frostbeständigen Betriebsstoffe, Hartspiritus und nur wenig Decken

und Heizmaterial. Ein Teil der Minen war eingerostet, die Gewehre ein¬

gefroren.

Bevor die 2. ungarische Armee in ihrem Don-Abschnitt von 208 km

Ausdehnung abwärts Woronesch angegriffen wurde, hatte sich die allgemeine

Lage sehr ernst, nahezu trostlos gestaltet. Die große deutsche Sommeroffensive,

welche die Entscheidung hätte bringen sollen, versagte, weil die

Hauptstoßgruppe aus ihrer östlichen Richtung exzentrisch in den Kaukasus

abschwenkte, wodurch sich die Front derart verlängerte, dass sie mit den

vorhandenen Mitteln nicht mehr zu beherrschen war. Diesen Schwäche¬

zustand hat die russische Südwestfront mit ihrer allgemeinen Offensive ab

November 1942 ausgenützt (siehe Skizze).

Die deutsche Armee Paulus wurde bei Stalingrad eingeschlossen, am

don

 

 

 

 

 

 

 

unteren Don wurden die rumänische und die 8. italienische Armee zerschlagen;

nur das Alpini-Korps hielt sich im Anschluss an die Ungarn, bis es

sich in der südlichen Flanke derart bedroht fühlte, dass es, ohne auf Befehle

zu warten, abmarschierte, so dass von da an der rechte Flügel der 2.

ungarischen Armee in der Luft hing. Die nördlich anschließende deutsche 2. Armee

wurde gleichzeitig mit der ungarischen durchbrochen. Dieser nicht

mehr gutzumachenden Lage war Rechnung zu tragen; weil das nicht geschah,

wurde die Heeresgruppe Süd derart zertrümmert, dass sie später

weder an den großen ukrainischen Flüssen noch am Karpatenrand auch nur

kurz halten konnte. Es war nicht leicht, aus der gescheiterten Sommeroffensive

der deutschen Heeresgruppe Süd sofort die richtigen operativen Konsequenzen zu ziehen.

Bei sachlicher, ruhiger Erwägung hätte man sich gesagt,

dass dem russischen Angriff am Don auszuweichen, in vorbereitetem Rück¬

zug auf die kürzeste, stark zu befestigende Linie – etwa Donaumündung bis

Ostsee bei Königsberg – zurückzugehen und dort in einer um 1000 km

kürzeren Front nachhaltiger Widerstand zu leisten war mit retablierten

Truppen. Damit hätte man sich auch um über 1000 km den eigenen Kraft¬

quellen genähert. Anders war die trostlose Lage nicht zu meistern, am wenigsten damit,

dass man sich am Don zerschlagen ließ, während sich die höchste

Führung mit kleintaktischen Eingriffen in die Befugnisse von Unterkommandanten

beschäftigte. Die Schlacht am Don war operativ zwecklos.

Frontausdehnung und Entfernung von den heimatlichen Kraftquellen waren

in der gegebenen Lage mit den damaligen Mitteln nicht tragbar. Das bezieht

sich auch auf die gesamte Ostfront, sind doch die Heeresgruppen Mitte

und Nord (Rückschlag bei Leningrad) zum Teil gleichzeitig oder bald

nachher einem ähnlichen Schicksal erlegen wie die Heeresgruppe Süd. Es

mögen momentan Prestigegründe gegen eine solche radikale Lösung gesprochen

haben, die bald nicht mehr zu verheimlichende Wahrheit wirkte

dann umso schädlicher. Ohne starke rechtzeitige Kürzung der Front und

der Nachschublinien war dem Ostheer nicht zu helfen. Bei einem erzwungenen

Rückzug war das nicht möglich. Die «Don-Stellung» der 2. ungarischen

Armee war keine «Stellung» und der Fluss eher schädlich als ein

nützliches Hindernis; bei Niederwasser konnte er durchwatet werden, bei Hochwasser

überflutete er die «Stellung» und trieb die Besatzung ins Freie; war

er zugefroren, so gab es keine Ruhe. Ein schwaches Bataillon auf 5 bis 6 km

reichte kaum für einen Schleier, von einer Tiefengliederung, von Abschnittsreserven war keine Rede,

ebensowenig von Arbeitskräften für Befestigungsarbeiten;

Ablösung war ein unbekannter Begriff. Demzufolge waren weder

der Graben noch das Hindernis durchlaufend, rückwärtige Linien und Verbindungsgräben

sowie Einbauten zum Schutz gegen Splitterwirkung und

die Witterung gab es nicht. Ein Eingraben im steinhart gefrorenen Boden

war unmöglich. Die Leute waren unterernährt, steckten in Schnee oder

Wasser, neigten zu Krankheiten (Ruhr, Erfrierungen, Erkältungskrankheiten,

Verlausung), warmes Essen gab es selten, weil die Fahrküchen nicht

vorgezogen werden konnten und die angeforderten Kochkisten nicht zu¬

gewiesen wurden. Der Dezember-Ersatz kam ohne Winterbekleidung an,

die Uniformen waren schadhaft, das Schuhwerk hin – das alles führte zu

einem rapiden Schwund der Bestände.

 

Generaloberst von Jány berichtete seinen Vorgesetzten deutschen und

ungarischen Stellen über diese kläglichen Verhältnisse und erklärte dezidiert,

dass er seinen ausgedehnten Armeeabschnitt unmöglich halten könne, wenn

er nicht verkürzt werde. Er wies auf den kläglichen Nachschub hin, dass

für seine Armee im November statt 16 nur 2 Nachschubzüge eingetroffen

waren, weshalb er die Brotration kürzen und auch Brotfrucht verfüttern

lassen musste, damit die Pferde nicht verendeten. Nichts geschah, weil nichts

geschehen konnte. Auf wiederholte dringliche Bitten erwiderte der ungarische

Chef des Generalstabes: «Keine Antwort ist auch eine Antwort.»

Mit diesem Satz ist die ganze Tragödie am Don gekennzeichnet. Statt einer

Abhilfe erschienen «Weisungen des Führers für die Abwehr im Winter

1942/43» – unter den gegebenen Umständen wie eine Stimme aus einer an¬

deren Welt!

In einem Weihnachtsbrief 1942 an Horthy verpflichtete der Führer die

ungarische Armee auf das starre System der Verteidigung. Vor dem Volksgericht

sagte Generaloberst von Jány aus, dass die Deutschen die im Januar

1942 übernommenen Lieferverpflichtungen nicht eingehalten hätten. In den

Aufzeichnungen des FML von Hannos, Vorstand der ungarischen Militär¬

technischen Anstalt, kann nachgelesen werden, dass die deutsche Industrie

bereit war, Ungarn weitgehend entgegenzukommen, doch wurde sie vom

OKW daran gehindert. Für das Recht zur Fabrikation eines einzigen nicht

einmal mehr modernsten Panzers (Panther) musste Ungarn 1 Million Pengö

bezahlen.

Sowohl die deutsche wie die ungarische Führung wurde durch den russischen

Großangriff am 12.1.1943 überrascht, was im I.Weltkrieg an der

Ostfront nie der Fall gewesen war. Die russische Tarnung musste ausgezeichnet gewesen sein.

Es wurde dem Generaloberst von Jány sogar von

der höchsten deutschen Führung mitgeteilt, dass ein eventueller Angriff nur

gegen seine Südflanke erfolgen könne.

Es besteht kaum ein Zweifel darüber, dass in der damaligen Gesamtlage

auch ein vollkommener Abwehrsieg am Don nichts genützt hätte. Ein

solcher war auch undenkbar, weil aus dem luftleeren Raum bis zum

Schwarzen Meer wieder eine Umfassung drohte, die zum Schicksal der 6. Armee

(Paulus) geführt hätte und vor welcher das «Alpini-Korps» auswich.

Eine leise Hoffnung war die von Jány unterstellte, aus etwa zwei gemischten

Divisionen bestehende deutsche Armeereserve Generalleutnant

Cramers. Nichts ist bezeichnender für die damaligen Verhältnisse als das

Schicksal dieser einzigen Reserve weit und breit. Entgegen der Absicht des

verantwortlichen Armeekommandanten wurde diese Reserve durch den

Führer nicht hinter der Mitte, sondern hinter dem rechten Armeeflügel auf¬

gestellt und durfte nur mit Zustimmung des Führers eingesetzt werden.

Über eine dem seiner Heimat gegenüber verantwortlichen Armeekommandanten

unterstellte taktische Reserve, welche auf Grund momentaner,

nur an Ort und Stelle zu erfassender Gelegenheit sofort muss eingesetzt werden können,

verfügt aus riesiger Entfernung der Führer, der von

dort aus die örtliche, taktische Lage gar nicht beurteilen kann.

Der Kommandant dieser Reserve nimmt von seinem zuständigen

Armeekommandanten keine Befehle an, sondern bekommt sie direkt, benützt aber zu seinen

Umgruppierungen den letzten Betriebsstoff der ungarischen Armee. Dabei

war Generaloberst von Jány einer der tüchtigsten und fähigsten ungarischen

Generale, einst ein prominentes Mitglied des Generalstabes der österreichisch-ungarischen

Monarchie und besonders kriegserfahren aus dem I.Weltkrieg.

Der russische Großangriff brach am 12.1.1943 nach der üblichen Feuervorbereitung

mit riesiger Übermacht, großem Schwung und taktischem

Geschick aus den zwei Brückenköpfen vor; die russischen Panzer konnten

bis in die erste Linie vordringen, weil die ungarischen Panzergranaten an

ihnen abprallten. Die russische Luftwaffe beherrschte das Schlachtfeld; ihre

Tiefflieger unterstützten dauernd die Kampftruppen. Die Verbindungen der

ungarischen 2. Armee versagten während der Schlacht, die Telefondrähte

hatte die übermächtige gegnerische Artillerie zerschossen,

die Radioverbindungen wurden gegenseitig und durch die Russen gestört. Ein ungarisches

und daneben ein deutsches Infanterieregiment wurden in gleicher

Weise überrannt und fast aufgerieben.

Gegenangriffe kleiner Reserven scheiterten am 13.; dabei blieben von einer deutschen Panzergruppe

von 60 Panzern 56 liegen. Am 14. war die Stellung an zwei Stellen durchbrochen, eine

Division vernichtet, zwei unbrauchbar geworden. Was menschenmöglich

war, hat die mit 10 Patronen in freiem Feld kämpfende Truppe in arktischer

Kälte (—42 Grad) geleistet, wobei Leute vor Kälte unter Weinkrämpfen

wahnsinnig wurden oder in der Kampflinie erfroren. Die Armeereserve sah

zu – weit vom Schuss. Jetzt erst wurde ein Regiment derselben freigegeben

– zu spät und tropfenweise, so dass es nichts mehr nützte! Und das geschah

entgegen den eigenen Weisungen des OKW vom 1.1.1943, das Korps Cramer

ja nicht zu zersplittern, sondern einheitlich einzusetzen. Die Überlegenheit des Gegners war sechsfach,

im engeren Durchbruchsabschnitt fünfundzwanzigfach;

dennoch hielten die ungarischen Truppen so lange,

dass die Armeereserve – wenn sie richtig aufgestellt, zeitgerecht und einheitlich eingegriffen hätte ,

– die Lage hätte wiederherstellen können. Das ist auf Grund der Feldakten die Ansicht aller kompetenten Teilnehmer.

Daran, dass das nicht geschah, ist ausschließlich die deutsche Heeresleitung

durch ihre unklugen Eingriffe in die Rechte des verantwortlichen Kommandanten schuld,

weshalb ihr auch die volle Verantwortung zufällt.

Am 15.1. vereinigten sich die zwei durchgebrochenen russischen Gruppen in der Mitte

– wo von Jány die jetzt abseits stehende Armeereserve

haben wollte – und rissen die Armee entzwei; der nördliche Teil, das ungarische 3. Armeekorps,

verblutete und trat in den Verband der gleichfalls

geschlagenen deutschen 2. Armee, während der südliche Teil (zwei Korps)

später der deutschen Heeresgruppe Mitte unterstellt wurde. Selbst in dieser

trostlosen Lage, da das Alpini-Korps bereits abgerückt war, blieb der deutsche Standpunkt (Führer) noch immer:

«Bis zum letzten Mann aushalten.»

Selbst einsichtsvolle deutsche Kommandostellen ließen durchblicken, dass

die Befehle des Führers den Untergang beschleunigten; ein Gegenbefehl

ihrerseits sei zwar unmöglich, doch könne der verantwortliche Armeeführer

nach eigenem Ermessen handeln, wenn es die Lage erfordere – was eine vor¬

sichtige Aufforderung zum Abmarsch der ungarischen Armee bedeutete.

Von Jány meldete am 16.1., dass ein weiteres Aushalten mit der Vernichtung

gleichbedeutend sei. Endlich erschien am 17.1. der verspätete Rückzugsbefehl

mitten in einem Zustand der Auflösung. Das weitere Bild dürfte

dem Rückzug Napoleons über die Beresina (1812) geglichen haben.

Am 17.1. teilte der ungarische Armeegeneralstabschef dem ungarischen

Militärattache in Berlin mit: «Die Armee ist in äußerst kritischer Lage. Alles

ist die Folge der saumseligen deutschen Führung. Worum wir schon lange

bitten, haben sie heute um 3 Uhr nachts endlich befohlen. Ein Wunder,

dass die Truppe noch Widerstand leisten kann.» In der Tat, ein Beweis tapferer

Haltung ist allein schon die fünftägige Dauer des Kampfes unter solchen Verhältnissen,

ohne Volkskommissare und Maschinengewehre hinter

der Front. Generaloberst von Jány meldete am 9.2. dem Chef des ungarischen

Generalstabes: «Mein schon in den Kämpfen am Don gewonnener Eindruck

ist, dass unsere Armee die Bestimmung hat, die deutschen Einheiten zu

sichern. Haben wir keine Waffen, dann soll die lebende Masse als Puffer

dienen. Die Wegnahme von Kraftfahrzeugen und Bespannungen ist an der

Tagesordnung. Betriebsstoffe werden eher angezündet, als uns zur Verfügung gestellt.

» Die ungarische Panzerdivision hatte das Korps Cramer zu

decken; sie erlitt nicht nur schwere Verluste, sondern verlor große Teile

ihres Materials wegen Benzinmangels. Als die 2. deutsche Armee ihren

Rückzug antrat, vernichtete sie Tausende von Benzinfässern

durch Mg.-Feuer.

Bezeichnend ist es, dass der Kommandant des vom Hauptstoß getroffenen

  1. Korps (Pécs) sich veranlass

t sah, im Rückzug Weisungen heraus¬

zugeben, wie «im Falle von Raufereien mit dem Verbündeten» vorzugchen

sei. Generaloberst von Jány erließ einen Armeebefehl, wonach Aggressionen

Verbündeter mit der Waffe abzuwehren seien; Nichtbefolgung dieses

Befehles war mit Strafe bedroht. Das ungarische Armeeoberkommando

hatte vollen Schutz für die jüdischen Arbeitsabteilungen gefordert, die zur

Armee gehörten. Die Honvéd-Begleitmannschaft konnte nur mit größter

Mühe die Begehung von Grausamkeiten abwehren. Das alles wussten die

Russen – wie leicht hatte es ihre Propaganda! Sie konnten den ungarischen

Soldaten sagen, dass es ihnen nicht besser gehen würde, wenn die «Faschisten» siegen sollten.

Berufene Kritiker sind der Ansicht, dass von Jány spätestens am14.Januar 1943

aus der unhaltbaren Lage abzumarschieren hatte, denn schließlich

war er für diese Armee nicht dem Führer, sondern dem ungarischen Staatsoberhaupt

und der ungarischen Nation verantwortlich, denen er den Treueid geschworen hatte.

Ob dieser Abmarsch ohne böse Zwischenfälle (Korps

Cramer!) möglich gewesen wäre, ist eine andere Frage.

Die durch die Russen fanatisierte Bevölkerung hat im Rückzug viel

geschadet.

Am 22. Januar meldet der Armee-Generalstabschef nach Budapest, dass

der moralische Zustand der Armee schwach und dass sie materiell zugrunde¬

gerichtet sei, nur sechs Geschütze seien zurückgebracht worden, alles andere

mit fast der ganzen Ausrüstung, viele Verwundete und an Erfrierungen leidende seien

liegen geblieben. Kraftfahrzeuge ohne Benzin wurden zurückgelassen, Be¬

spannungen waren verendet oder entkräftet (die Bespannungen waren aus

Verpflegungsrücksichten bis 80 km hinter der Front, die motorisierten Artillerieformationen

hatten kein Benzin – also war alles unbeweglich; deshalb

blieb fast die ganze Artillerie unter dem Druck des Feindes liegen – nicht

weil sie im Stich gelassen worden wäre). 45 000 bis 47 000 Mann sind ge¬

blieben, größtenteils Etappentruppen ohne Gewehre. Als dann selbst diese

Reste noch deutsche Angriffsbefehle erhielten, lehnte Generalmajor Graf

Stomm die Befolgung eines solches Befehls, der zur Vernichtung seines

Korps (3. AK) geführt hätte, ab und teilte in einem berühmt gewordenen,

rührenden Korpsbefehl vom 1.2.1943 die Niederlegung seines Kommandos

1060

mit, verabschiedete sich von seinen Truppen und stellte es jedem anheim,

zu gehen, wohin er wolle, denn «es hat keinen Sinn, dass Tausende erfrorener,

ausgehungerter Ungarn mit zehn Patronen pro Gewehr mit leeren Mägen

ohnmächtig zugrunde gehen». Er geriet in Kriegsgefangenschaft; seine

Beine wurden amputiert.

Die Verluste der 2. ungarischen Armee sind mit 150 000 Mann auf 9 Divisionen

außerordentlich hoch, besonders wenn sie verglichen werden mit

denjenigen, welche die k. und k. österreichisch-ungarische Armee in der zehn¬

tägigen ,erfolglosen Junioffensive 1918 in Italien erlitt, als sie 142 500 Mann

auf 47 Divisionen (716 Bataillone und 6830 Geschütze) verlor, was in der

Geschichte als «ungewöhnlich hoch» bezeichnet wurde.

Bei einer Besprechung mit dem Generalstabschef der Heeresgruppe

Mitte, Generallt. von Wohle, am 23.2. beklagte sich Generaloberst von

Jány über das vollkommen verdorbene Verhältnis zwischen den Verbündeten mit den Worten:

«Wir haben von zahlreichen empörenden Tatsachen

konkrete Kenntnis, und nie hätte ich gedacht, dass man mit einer verbündeten Armee,

die an Toten und blutigen Verlusten so viele Opfer gebracht

hat, in so herabwürdigender Weise umgehen kann.» Von Wohle hörte das

mit blutrotem Gesicht an und bemerkte nur: «Das ist fast unglaublich.

» Dabei waren von Jány und sein Stabschef, Generalmajor von Kovács, unentwegt bestrebt,

das gute Einvernehmen zu pflegen. So gab von Kovács in

einem Fall gegen seine bessere Überzeugung und die ungarischen Interessen nach,

weil «wir nicht dazu da sind, um Schwierigkeiten zu machen»

(die Niederschrift dieses telefonischen Gespräches ist in den Feldakten er¬

halten). Für das spätere Verschwinden der Heeresgruppe Süd (fünf Armeen)

von der Erdoberfläche, verschuldet durch eine Heerführung, die einen jeden

dort sterben lässt, wo er ist und über Regimenter aus Entfernungen von

über 1000 km disponiert, musste ein Sündenbock gesucht werden, der als

sichtliches Zeichen dieser Ächtung und Ungnade unnobel und undankbar

behandelt werden musste. Und die Propaganda schrie weiter: «Wir werden

siegen, weil wir siegen müssen.»

Aus einem Brief des Generalmajors von Kovács vom 8.4.1943 an General

Zeitzler, Generalstabschef des Heeres, geht hervor, dass die deutsche Heeresleitung

die ungarische Armee für die Niederlage am Don verantwortlich gemacht hatte.

Bei einer Besprechung in Budapest am 19.3. wurde als eine der wichtigsten

Lehren und Forderungen für die Zukunft hingestellt, dass sämtliche

ungarischen Truppen ausschließlich dem ungarischen Armeekommando

unterstellt sein müssten, denn «nur so ist es zu vermeiden, dass verschiedene

kleine deutsche Kommandanten die Kriegsgliederung der Besatzungstruppen

zerreißen und mit zusammenhangslosen Operationen das ungarische

Blut verschwenden.» Die Fülle an ungarischem Aktenmaterial bürgt dafür,

dass man im Urteil nicht fehlgeht. Seltsamerweise fehlen gerade die Akten

des der deutschen 2. Armee unterstellt gewesenen ungarischen 3. Armeekorps aus der Zeit dieser Unterstellung;

doch ist der Korpsbefehl des Grafen Stomm, der alles sagt, vorhanden.

Nach Kriegsende hatte die veränderte Heimat kein Gefühl für die Tra¬

gödie ihrer Söhne. Alle, die gegen die Partisanen schon aus Notwehr hatten

kämpfen müssen, erhielten schwere Kerkerstrafen, ebenso Generalmajor

Graf Stomm – als hundertprozentig Invalider – der das Beste für seine Truppe

wollte. Der Kommandant des 4. Armeekorps, Feldmarschalleutnant von

Heszlenyi, beging Selbstmord. Generaloberst Szombathelyi wurde den

Jugoslawen ausgeliefert und dort getötet. Der Ritterkreuzträger Generaloberst von Jany wurde hingerichtet –

er ging unerschrocken, in aufrechter Haltung in den Tod. Das war der letzte Ausklang der Katastrophe am Don,

der Dank der Heimat.

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Über 1magyarember fekete hunmagyar(Árpád, István)

Hazádnak rendületlenûl Légy híve, oh magyar; Bölcsõd az s majdan sírod is, mely ápol s eltakar.Ich bin magyarisch-germanischer Hunne, Geboren in Ungarn,einen Teil der Kindheit dort verbracht, ich kam in der Zeit des Kommunismus nach Deutschland,auch aus politischen Gründen,da ich deutsche ebenso wie ungarische Wurzeln habe(die Großeltern waren deutsche(Thüringen) Sieldler in Ungarn, da lag es am nächsten nach Deutschland(die 2. Heimat) zu kommen ,als von den Kommies verfolgte deutschstämmige wurden wir zu politischen Flüchtlingen da mein Opa Soldat im 2.WK gegen die jüdischen Bolshevisten war. Ich bin begeisterter Karpfenangler und mein Beruf ist Fahrradmechaniker, ich bin politisch interessiert und lasse mich nicht gerne von Leuten wie George Soros(aka Swarc György)und seinen Schergen verarschen.Ich habe eine,nein sogar 2 nationale Identitäten:Die ungarische sowie die deutsche.Da können die die Antifa Chaoten so oft,Fuck your national Identity grölen,wie sie wollen.Damit erreichen sie bei mir höchstens das Gegenteil.
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2 Antworten zu Die Vernichtung der 2. ungarischen Armee am Donbogen oder Ungarns Stalingrad

  1. Kovács Zsolt csaba schreibt:

    Nicht das Vaterland war undankbar seinen Helden sondern die an die Macht gekommene Bolschewiken.

    Gefällt 1 Person

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